pol euroflagge 180Das diesjährige Multisektionstreffen zwischen Bielsko-Biała, Bonn, Galway und Nord-Isère fand in Polen statt. Gleichzeitig wurde das 30-jährige Jubiläum der Sektion Bielsko-Biała gefeiert. Auch die Sektion Darmstadt als deutsche Partnersektion war eingeladen. Teilgenommen haben aus Deutschland 20 Jumeleure: 14 aus Bonn (darunter auch Peter Backes, der Präsident der Eurojumelages), 6 aus Darmstadt (Alfed & Irmi, Karola & Thomas, Petra & Werner), 9 aus Frankreich, 11 aus Irland und 12 aus Polen.  

Samstag, 25. Juli
Die 52 Teilnehmer reisten mit verschiedenen Verkehrsmitteln an: mit dem Flugzeug und dann mit dem Zug oder Shuttle weiter nach Bielsko-Biała, mit Bus / Bahn, mit Privat-PKWs oder Wohnmobil.

Karola & Thomas sowie wir (Irmi & Alfred) kamen mit der Lufthansa 3 Stunden später als geplant in Krakau an, weil wir in Frankfurt wegen eines Triebwerkdefekts das Flugzeug wechseln mussten. Wir versäumten dadurch unsern geplanten Zug nach Bielsko-Biała, hatten aber das Glück, dass die Freunde aus Irland am Flughafen 2 Shuttlebusse gebucht hatten, die wir mitbenutzen konnten.

Bis zum Aperitif und Abendessen um 18:30 Uhr am Samstag, den 25. Juli, bei dem uns Marian Fabian herzlich begrüßte, hatten es die meisten zum Hotel Park Diament in Bielsko-Biała geschafft.

pol Musikbegleitung jurek willi 300Unsere polnischen Gastgeber hatten ein abwechslungsreiches Programm für uns vorbereitet. Nach dem Frühstück fuhren wir jeden Tag um 9:00 Uhr mit einem Reisebus vom Hotel ab und kamen am späten Nachmittag wieder zurück, um im Hotel unser Abendessen einzunehmen. Danach unterhielt man sich mit anderen Jumeleuren oder sang gemeinsam Lieder in verschiedenen Sprachen, begleitet von Jurek mit Gitarre und Willi mit Akkordeon.

An einem Abend gab Marian in einer PowerPoint-Präsentation einen Rückblick auf die Multi-Sektionstreffen von 2006 – 2025.

Sonntag, 26. Juli
Am Vormittag besichtigten wir bei einer auf Englisch geführten Tour Bielsko-Biała,  Polens Kulturhauptstadt 2026, eine Stadt mit ca. 165 000 Einwohnern, die am Fuße der Beskiden liegt. Wegen ihrer malerischen Architektur aus dem 19. Jahrhundert, die stark von der österreichisch-ungarischen Monarchie geprägt ist, wird sie oft als „Klein-Wien“ bezeichnet.

Tag 1 BB gruppenbild mit kulturhauptstadt 2 800

Die Stadt entstand 1951 durch den Zusammenschluss von Bielsko (Bielitz, historisch zu Schlesien gehörend) und Biała (historisch zu Kleinpolen gehörend). Biała heißt auch der Fluss, der durch Bielsko-Biała fließt. So kamen wir u. a. vorbei: am Marktplatz, Sułkowski-Schloss, Rathaus, Froschhaus im Jugendstil, den Jugendstil- und Neorenaissance-Gebäuden in der Hauptfußgängerzone, an der Kathedrale, deren Turm das Stadtbild beherrscht, der evangelischen Kirche mit dem einzigen Lutherdenkmal in Polen und an Denkmälern von Zeichentrickhelden. 

Pol Rathaus 750

Nach dem Mittagessen, bei dem besonders der Oscypek-Käse begehrt war, besichtigten wir des Brauereimuseum Żywiec. Die Brauerei wurde 1856 von der österreichischen Habsburger-Familie (Erzherzog Albrecht) gegründet. Das 2006 eröffnete Museum ist eines der modernsten interaktiven Industriemuseen Polens. Es führt Besucher auf einer Zeitreise durch die Geschichte der Bierbraukunst vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. 

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Während des Rundgangs schlenderten wir - ausgestattet mit Audioguides - durch nachgebaute historische Straßenzüge, ein traditionelles Wirtshaus aus der Zwischenkriegszeit sowie historische p0l Tag 1zywiec festival 300Produktionsräume und Labyrinthe voller Bierfässer. Am Ende der Tour gab es eine Bierverkostung oder eine alkoholfreie Alternative.

Danach erfolgte der Transfer zum Amphitheater in Żywiec, wo wir im Rahmen der Beskiden-Kulturwoche einheimischen Tänzen zuschauen konnten.

Montag, 27. Juli
Mit der 4er-Sesselbahn ging es heute hinauf auf den Berg Skolnity bei Wisła zu einem 35m hohen Aussichtsturm, der komplett aus Holz gebaut ist. Der Aufstieg erfolgt über einen kilometerlangen Holzsteg, der sich steigungsarm nach oben windet und dadurch auch für Familien mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer zugänglich ist. Von der obersten Plattform aus bietet sich ein weiter Panoramablick auf das Tal von Wisła und die umliegenden Gipfel der Schlesischen Beskiden.

Pol Aussichtsturm 16.3cm

Bevor das Mittagessen in der Berghütte an der Bergstation eingenommen wurde, konnten wir noch die vielen Holzfiguren bewundern und den vielen Mountainbikern zuschauen, die sich versammelten und dann die Bikepark-Trails hinuntersausten. Wieder unten im Tal angekommen, hatten wir noch genug Zeit, um durch das Urlaubs- und Wintersportzentrum Wisła zu spazieren. Die Stadt verdankt ihren Namen dem längsten Fluss Polens: Wisła (deutsch Weichsel). Sie ist auch die Heimatstadt des polnischen Skispringers Adam Małysz. Die Rückfahrt zum Hotel erfolgte über Szczyrk, ebenfalls ein Urlaubs- und Wintersportzentrum mit einem Stopp, um im Bus den von Ryszard H. selbst hergestellten Lemonwodka zu probieren.

Dienstag, 28. Juli
Heute stand die Stadt Pszczyna mit ihrem Schloss im Mittelpunkt. Auf dem Marktplatz angekommen, bewunderten wir zunächst die Bronze-Bank mit der lebensgroßen Figur der britischen Schlossherrin Fürstin Daisy. Danach konnten wir - ausgestattet mit Audio-Guides - das prächtige Schloss der Fürsten von Hochberg mit seinen Wohnräumen, den prunkvollen Spiegelsaal mit großen Kristallspiegeln und Kronleuchtern und die Waffensammlung besichtigen. Im Ersten Weltkrieg diente das Schloss zeitweise als Hauptquartier des deutschen Kaiserreichs unter Wilhelm II. Im Gegensatz zu vielen anderen Schlössern in Polen wurde Schloss Pszczyna im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört.

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Fast 80 % der originalen Innenausstattung aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sind im Museum erhalten geblieben. Durch einen Teil des weitläufigen Schlossparks im englischen Landschaftsstil mit Teichen, Brücken, romantischen Pavillons und alten Baumbeständen erreichten wir anschließend die aufwendig restaurierten fürstlichen Pferdeställe, die heutzutage als Kultur- und Ausstellungszentrum dienen. Nach dem Mittagessen besuchten wir das Freilichtmuseum. Hier sind historische Holzbauwerke aus dem 18. und 19. Jahrhundert aus der Region Pszczyna zusammengetragen worden. In den Gebäuden sind originale Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte, landwirtschaftliche Maschinen, Webstühle sowie traditionelle Trachten der Region ausgestellt.

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Danach fuhren wir mit dem Bus zu den Kapias-Gärten in Goczałkowice Zdrój mit zahlreich gestalteten Themengärten.pol kapias garten 900

Anschließend wurde noch ein kurzer Abstecher zum Goczałkowice-Stausee gemacht, der Mitte des 20. Jahrhunderts durch die Anstauung der Weichsel entstand und Trinkwasser für Oberschlesien liefert, verbunden mit einem kurzen Spaziergang auf der Staumauer.  

Mittwoch, 29. Juli
Tag 4 1 czantoria 300Gestern waren wir nach Norden unterwegs, heute ging es wieder nach Süden durch das Tal der Weichsel. Ziel war der 995m hohe Czantory-Berg bei Ustroń, direkt auf der Grenze zwischen Polen und Tschechien. Mit einer 4er-Sesselbahn wurde man auf das Plateau unterhalb des Gipfels befördert. Von dort aus konnte man eine ca. 30-minütige Wanderung zum Gipfel unternehmen. Danach ging die Fahrt weiter zum Bergdorf Koniaków nahe der Grenze zu Tschechien und der Slowakei.

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Nach dem Mittagessen haben wir zunächst das Centrum Pasterskie, das Hirtenzentrum in Koniaków besucht, das sich der Pflege der traditionellen Goralenkultur widmet. In einem Gehege trafen wir Schafe an. Es wurde uns gezeigt, wie traditioneller Schafskäse hergestellt wird und wir konnten ihn verkosten sowie beim Spinnen und Filzen von Schafwolle zuschauen.

Anschließend haben wir noch das Spitzenmuseum besucht und dort erfahren, dass die handgehäkelte Spitze auf der Liste des immateriellen Kulturerbes Polens steht. Sie wird ohne vorgezeichnete Muster oder Rasterschablonen hergestellt. Die Häklerinnen fertigen die aufwendigen Blumen- und Geometriemotive rein aus dem Gedächtnis mit feinstem Baumwollgarn an. 

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Ursprünglich wurden ausschließlich Kopfbedeckungen für verheiratete Frauen hergestellt, in den 1900er-Jahren dann Tischdecken, Läufer, Vorhänge und Bekleidung. Anfang der 2000er-Jahre begannen einige jüngere Häklerinnen, feine Unterwäsche und Lingerie aus Koniakower Spitze herzustellen. Dies löste im traditionellen Dorf zunächst einen Skandal aus, verhalf dem Handwerk jedoch weltweit zu medialer Aufmerksamkeit.

Donnerstag, 30. Juli
Heute stand ein Ausflug in das Silberbergwerk Tarnowskie Góry auf dem Programm, das seit 2017 UNESCO-Weltkulturerbe ist. Schon am Tag vorher wurden wir von Marian darauf hingewiesen, dass unter Tage eine Temperatur von 10° herrscht und die Mitnahme von warmer Kleidung und festem Schuhwerk empfohlen. Dort angekommen, konnten wir uns zunächst über Tage eine Ausstellung über die Geschichte des Bergbaus, Werkzeuge und das Leben der Bergmannsfamilien anschauen. Dann wurden wir in 2 Gruppen eingeteilt für eine geführte Tour auf Deutsch und eine auf Englisch. 

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In unserer Gruppe mussten sich alle einen roten Helm aufsetzen, außer Peter. Er musste sich einen gelben Helm aufsetzen und immer als Letzter gehen, damit unser Gruppenführer wusste, wann er weitergehen kann. Wir legten einen ca. 1,7 km langen Rundweg in rund 40 Metern Tiefe zurück. Wir waren froh, dass wir einen Helm auf dem Kopf hatten, denn die Gänge waren schmal und zum Teil nur 1,40m hoch, so dass man in gebückter Haltung gehen musste. Des Öfteren hörte man das Klacken von Helmen, die oben an die Felsen stießen. Pol Tag 5 4 bergwerk geb bogus 300Ein besonderes Highlight war die etwa 270m lange Bootsfahrt durch einen gefluteten Stollen.

Das Mittagessen haben wir im Restaurant der Silbermine eingenommen. Ehe wir in den Bus eingestiegen sind, lud Boguś noch zu verschiedenen Wodka-Sorten anlässlich seines heutigen 78. Geburtstags ein.

Da wir heute kilometermäßig die meisten Kilometer zurückgelegt haben, ging es danach gleich wieder nach Bielsko-Biała zurück. Zudem begann schon um 18:30 der vorgezogene Abschiedsabend, verbunden mit der Feier zum 30-pol Tag 5 5 torte 300jährigen Jubiläum der Sektion Bielsko-Biała. Gefeiert wurde mit einem reichlichen Barbecue und einer Geburtstagstorte sowie Wodka in einer riesigen Hütte auf dem Gelände des Hotels, zum Glück mit Außenbereich, in den wir nach und nach wegen der Hitze in der Hütte flüchteten.

Auch die 3-Mann-Band spielte nach dem Essen draußen weiter und lud zum Mitsingen ein. Die polnischen Organisatoren hatten dann noch eine Überraschung für uns. Wir staunten nicht schlecht als auf dem Gelände ein großer Bus vorfuhr und viele Männer und Frauen in Tracht ausstiegen. Wie sich herausstellte, war es eine Tanzgruppe aus Wilamowice, dem Wohnort von Jola & Jurek. Sie zeigten uns ebenfalls auf dem Gelände mehrere traditionelle Tänze mit Gesangeinlagen.

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Damit war der Abend noch nicht zu Ende. Tanzen zu Disco-Musik war nun angesagt.

Freitag, 31. Juli
Für unseren letzten gemeinsamen Tag hatten unsere polnischen Freunde die Stadt Katowice (Hauptstadt der Woiwodschaft Schlesien) ausgesucht. Einst stark industriell und vom Kohleabbau geprägt, hat sich Katowice in den letzten Jahrzehnten zu einem modernen Zentrum für Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft entwickelt.

Zunächst wurden wir in 2 Gruppen auf Englisch durch das Schlesische Museum geführt. Ein Großteil der Hauptausstellungen befindet sich in modernen, unterirdischen Hallen direkt unter dem ehemaligen Zechengelände.

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Die Ausstellungen umfassen polnische Kunst vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, oberschlesische Sakralkunst sowie eine multimediale Dauerausstellung zur Geschichte Schlesiens.

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Danach schlenderten wir durch die Kulturzone von Katowice und kamen am Konzertsaal des Nationalen Symphonieorchesters des Polnischen Rundfunks und dem Internationalen Konferenzzentrum vorbei sowie an Spodek, einer Veranstaltungshalle, die wie eine fliegende Untertasse geformt und Austragungsort für große Konzerte und Sport-Events ist.

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Am Nachmittag nach dem Lunch im Zentrum von Katowice erfolgte der Transfer nach Nikiszowiec, einer Arbeitersiedlung aus dem frühen 20. Jahrhundert für Bergleute der nahegelegenen Giesche-Grube. Die Siedlung besteht aus dreigeschossigen Häuserblöcken (Klinkerbauten), die über geschlossene Innenhöfe und Bögen miteinander verbunden sind. Charakteristisch sind die rot gestrichenen Fensterlaibungen und die detailreichen Fassaden. An der neobarocken St.-Anna-Kirche auf dem zentralen Platz vorbei erreichten wir die Arkaden mit gemütlichen Cafés und kleinen Geschäften.

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Samstag, 1. August
Heute ging die erlebnisreiche Woche leider zu Ende. Die meisten von uns traten die Heimfahrt an. Karola & Thomas sowie wir (Irmi & Alfred) wurden von Ryszard H. mit dem Auto zum Bahnhof in Bielsko-Biała gebracht, von wo wir mit dem Intercity-Zug nach Warschau reisten, um dort noch ein paar Tage zu verbringen.

Irmi & Alfred Corbet