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Besuch beim Bundesarchiv in Koblenz am 11. Juni 2026

15 interessierte Mitglieder waren der Einladung gefolgt, sich zu informieren, was im Bundesarchiv in Koblenz so alles archiviert wird.

Frau Manuela Hambach hat es geschafft, uns einen spannenden und anschaulichen Einblick in die Tätigkeiten der vielen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in dieser großen Behörde zu geben. Zunächst sahen wir in einem Film, wie ein Beamter des Bundesarchivs Akten aus dem Bundeskanzleramt studierte. Er allein wird entscheiden, welche Unterlagen ins Archiv kommen und was kassiert wird. Kassiert? So werden Akten benannt, die in Spezialcontainer kommen, dann versiegelt und anschließend von einer Fachfirma vernichtet werden. Das Haus hat mehrere solcher Fachleute, die abschließend entscheiden, was dem Gedächtnis unserer Gesellschaft erhalten werden soll. Sie durchlaufen für diese verantwortungsvolle Aufgabe besondere Schulungen. Es gibt kein Vier-Augen-Prinzip. Die Fülle der Unterlagen wäre so gar nicht zu bewältigen. Außerdem, wie würde man Widersprüche auflösen, wenn unterschiedliche Ergebnisse auftreten würden?

Nach 30 Jahren müssen Aktenbestände der Ministerien und Bundesbehörden dem Bundesarchiv angeboten werden. Wir sollten schätzen, wieviel davon dauerhaft aufbewahrt werden. Es sind etwa 30%. Vom Kanzleramt nahezu 98%, von manchen Behörden nur 3 bis 5%, das ergibt diesen Durchschnittswert. Inzwischen verfügt das Archiv über 540 Kilometer Schriftgut. Was alles aufbewahrt wird, kann man auf der Homepage im Internet nachlesen. Es sind auf jeden Fall unvorstellbare Mengen an Bildern, Filmrollen, Plakaten, Karten, Plänen und rund 2 Millionen Bücher. Auch die Stasiunterlagen gehören dazu, sie sind nicht nach Koblenz geholt worden sondern dort geblieben wo sie waren. Ja, sie können weiter eingesehen werden.

Es gibt immer noch Akten von der Ahrtalflut, sie wurden schockgefroren und werden in einem besonderen Verfahren wieder aufgetaut. Danach wird in mühsamer Arbeit versucht, möglichst viele der Originalunterlagen zu retten. Ferner helfen die Mitarbeiter des Bundesarchivs bei der Aufklärung von Vermisstenfällen. So können rund tausend Schicksale pro Jahr aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges abschließend geklärt werden.

Ein großes Thema ist das Digitalisieren der Bestände. Dadurch können viel mehr Interessenten über das Internet auf die Bestände zugreifen und es werden die Originale geschont. Jede gescannte Seite trägt ein Gütesiegel des Bundesarchivs, damit wird garantiert, dass es sich um eine detailgetreue Kopie des Originals handelt. Bei den unglaublichen Mengen des Materials eine sehr anspruchsvolle Mammutaufgabe.

Das erfordert immense Speicherkapazitäten und außergewöhnliche Sicherheitsverfahren. IT-Fachleute werden dringend benötigt, zumal die Bundesbehörden gehalten sind, ab 2032 möglichst nur noch digital zu arbeiten. Was dann in einigen Jahren Abstand für Datenmengen zu bearbeiten und zu speichern sind, kann man kaum erahnen. Die Spezialisten sprechen heute schon von Speicherkapazitäten im Bereich von Exa- oder gar Zettabyte. Ein ganz großes Thema ist es, die Sicherheit dieser Bestände zu garantieren. Wer verfolgt, welchen Umfang Fakenews bereits heute erreicht haben, kann ermessen, welch verantwortungsvolle Aufgaben die Fachleute beim Bundesarchiv haben.

Wie finde ich überhaupt etwas, wenn ich bestimmte Fragen habe? Da helfen natürlich gerne die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Archivs. Hat das Archiv einen eigenen Aktennummernplan nach dem die Unterlagen eingeordnet werden? Nein! Das wäre unheimlich aufwändig und würde zu Verwirrungen führen! Die Aktennummernpläne der einzelnen Behörden werden beibehalten. Aber es wird an einem Suchsystem ähnlich dem von Google und anderen Suchmaschinen gearbeitet, das digital in der Lage sein wird, je nach eingegebenem Suchwort die dazugehörigen Informationen quer durch alle Ressorts zu liefern.

Man sieht, das Archiv muss mit der rasanten Entwicklung bei der Digitalisierung Schritt halten. Wie Frau Hambuch erläuterte, ist das Archiv auf über 20 Standorte im Bundesgebiet verteilt,  in denen die gut 2300 Mitarbeitenden die vielfältigsten Aufgaben wahrnehmen. Wir spürten auch bei den Diskussionen, Frau Hambuch liebt ihre Aufgabe, ist schon lange dabei und kann zu vielen Fragen präzise antworten.

Natürlich hat das Haus Personalbedarf, leider herrscht zur Zeit ein Einstellungsstopp. Ein dringender Neubau steht zwar im Koalitionsvertrag aber, wie zu vermuten, unter Finanzierungsvorbehalt. Käme er nach Koblenz? Das wäre wünschenswert! Wie kam das Archiv mit seinem Hauptsitz überhaupt nach Koblenz? Die Stadt war clever. Sie konnte dem beengten Archiv das Gebäude der ehemaligen preußischen Rheinprovinz anbieten. Es war zwar nicht optimal geeignet, linderte aber die erste Not.

Nach einem Umzug in ein anderes Bürogebäude, wurde ein Neubau für das Bundesarchiv dringend erforderlich. Dafür konnte die Stadt Koblenz kostenlos das Grundstück auf der Karthause zur Verfügung stellen, weil das dortige Flugfeld nach Winningen verlegt worden war. Die Kosten für den Neubau über 75 Millionen DM wurden leicht unterschritten, damit wurde es möglich, noch die modernen Archivregale anzuschaffen. Das sind diese meterlangen, tonnenschweren Regale, die sich mit Drehkreuzen an der Seite leicht hin- und herfahren lassen. Diese Bauweise erspart viel Platz bei den Zwischenräumen.

Selbstverständlich waren wir auch im Kern des Hauses, im Magazin. Frau Hambuch hatte dankenswerter Weise eine Reihe postalischer Akten auf einem Tischchen für uns bereitgelegt. Hier konnten wir zum Beispiel verfolgen, wer alles beteiligt war, bis eine Sondermarke herausgegeben werden konnte. Natürlich waren die Unterlagen älter als 30 Jahre und wir waren seltsam berührt, aus unseren früheren Tagen in den Marken alte Bekannte wieder zu erkennen.
Interessierte Zuhörer beim Abschlußgespräch Heinz bedankt sich für die aufschlußreiche Führung

Es ließe sich noch viel über die Bauweise des Hauses erzählen aber ich denke, das sollte man sich bei einem Besuch besser vor Ort ansehen. Heinz Busch hat sich bei Frau Hambuch für ihre engagierte Führung herzlich bedankt, die 2 Stunden wären geradezu verflogen. Wir machten noch einen kleinen Rundgang durch die Sonderausstellung über Helmut Schmidt und sind dann zum Forsthaus Remstecken gefahren, um bei einem guten Mittagessen in gemütlicher Runde noch anregende Gespräche zu führen.

Beim Mittagessen im Restaurant Forsthaus Remstecken
Text: Manfred Henjes, Fotos: Wolfgang Bantes